Wie kann ich meine Art der Fotografie beschreiben? Ich würde sagen, dass sie zweigeteilt ist. Einerseits emphatisch und emotional, andererseits streng und perfektionistisch. Ersteres kommt zum Tragen, wenn ich die Person vor der Kamera als Inspiration nutze. Zweiteres, wenn ich eine Idee umsetzen möchte, zu der ich Bilder bzw. ein Bild im Kopf habe, die bzw. das ich möglichst genau umsetzen möchte. Mich reizen zudem Menschen ohne Shooting Erfahrung. Menschen, die das erste Mal vor der Kamera stehen, bieten ein so großes Potenzial gegenseitigen Wachstums.
Aber wie geht Inspiration durch eine Person? Plakativ könnte ich jetzt das Aussehen der Person anführen – oder ihr Auftreten. Natürlich sind das Bestandteile, die zur Inspiration beitragen. Doch den für mich wichtigsten Bestandteil der Inspiration, finde ich in den Vorgesprächen, die ich in der Regel vor einem ersten eigentlichen Shooting-Termin mit einem neuen Model führe. Diese Gespräche beeinflussen und inspirieren mich zu einer für das Model sehr persönlichen und für mich immer neuen Note.
Und wie entstehen die Ideen und Bilder in meinem Kopf? Die können durch alles Mögliche entstehen. Soziale oder gesellschaftliche Themen, Szenen aus einem Video oder Film, durch einen Song, Alltagssituationen oder durch Bilder oder Werbung in einem Magazin. Ein gutes Beispiel ist mein Jahresabschlussfoto 2020. Die Idee entstand durch einen Text, den ich aus meinen persönlichen Empfindungen der besonderen gesellschaftlichen und sozialen Umstände des Jahres verfasst hatte. Hier war zudem die Aufgabe ein Model zu finden, für das die Bildidee umsetzbar war, und sich mit dem Text identifizieren konnte.
Bild und Text auf Instagram
Oder ein Foto, das ich 2021 aufgenommen habe. Da hatte es von der Inspiration durch ein Foto in einem Magazin, bis zur Umsetzung ganze 5 Jahre gedauert. Denn für dieses Foto hatte ich eine ganz bestimmte junge Frau im Kopf. Das Problem war, dass ich sie (trotz jährlichem Nachfragen) erst dann zu diesem Shooting bewegen konnte.
Bild und Text auf Instagram
So schlummern noch zahlreiche Ideen und Bilder in meinem Kopf. Oder besser gesagt, in einem Ideen-Ordner. Denn mittlerweile habe ich es mir angewöhnt, solche Ideen, Gedanken und Bilder aufzuschreiben oder zu skizzieren.
Auch wenn ich die Arbeit mit Menschen ohne Shooting Erfahrung liebe, kommt es auch häufig zu wiederholtem Zusammenarbeiten. Gerade auch mit Menschen, die bei mir das erste Mal vor der Kamera standen.
Was mich an meiner Fotografie am meisten befriedigt, ist es, die Entwicklung des Menschen vor der Kamera zu sehen, die ich mit meiner Anleitung und Unterstützung erreichen kann. Egal ob beim ersten Mal vor der Kamera, oder durch weitergehende Unterstützung bei einer wiederholten Zusammenarbeit. Wenn sich der Mensch entspannt und anfängt sich auszuprobieren, oder eigene Ideen entwickelt.
Besonders die Entwicklung auf mentaler Ebene, abseits der Bildergebnisse, ist oft faszinierend. Dies ist der wahre Antrieb, warum ich so fotografiere wie ich fotografiere.
Wenn jetzt jemand bei der Überschrift „Meine Art der Fotografie“ an eine Erklärung zu meinem Stil gedacht hatte, dem sei nur so viel gesagt: Eine Mischung aus puren Menschen, Plakat-, Werbe- oder Magazin-Motiven. Aber das ist völlig unwichtig.
Foto: Aus einem Shooting 2022 mit Janna @jannacarina_sch
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